Ostern
Ostern ist das wichtigste christliche Fest, denn an diesen Tagen wird die Auferstehung Jesu gefeiert. Aber es geht natürlich auch um die Wiederbelebung der Natur. Das wird im Frühling in vielen Kulturen gefeiert. Überall in Deutschland (wie anderswo) gibt es Osterbräuche und –Traditionen: Osterfeuer, Osterkerzen, Ostereier und – weniger bekannt – das „Osterwasser“.
Heidnisches Fest zu Ehren der Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara
Ostern war ursprünglich ein heidnisches Fest zu Ehren einer germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin, als die Menschen in Europa an viele Götter glaubten. Ostara hieß sie, das bedeutet Osten, denn man verglich sie mit der Morgenröte - und von ihrem Namen leitet sich unser heutiges Wort "Ostern" ab. Ihr Fest wurde immer nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert. Der Winter wurde mit Feuer und Lärm vertrieben.
Palmensonntag
Am Palmsonntag, 7 Tage vor Ostern, werden die sogenannten Palmbuschn (Weidenzweige mit Palmkätzchen) - verziert mit Schmuck aus bunten Hobelspänen - in der Kirche geweiht, nach der Messe von jungen Burschen (heutzutage auch manchmal von Mädchen) zu ihren Familien gebracht und dort auf die Felder, im Herrgottswinkel hinter das Kruzifix und auf Gräber gesteckt. Die Palmbuschn sollen Hab und Gut der Menschen vor Blitzen schützen.
Gründonnerstag
Am Gründonnerstag nahm Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern. Er wurde noch am selben Tag verraten und verhaftet.. Grün meint „gronan“, das mittelhochdeutsche Wort für „weinen“, weil Jesus verhaftet wurde. Trotzdem gibt es Christen, die am Gründonnerstag nur grüne Lebensmittel essen.
Juan de Juanes:
Abendmahl,
60er-Jahre
des 16. Jahrhunderts
Museo del Prado
in Madrid
Ostereier
Das Ei ist schon immer ein Symbol für die Fruchtbarkeit, das Leben und den Neuanfang gewesen. Kein Wunder also, dass Eier auch in den Farben des Frühlings bemalt werden.
Für die Christen ist das Ei das Zeichen der Auferstehung. Gefärbte Eier wurden schon im 4. Jahrhundert in christlichen Grabstätten gefunden. Im Mittelalter bezahlten die Bauern die Pacht für die Ländereien, die sie bestellten, unter anderem mit Eiern.
Der Osterhase
Heutzutage kennt ihn jedes Kind: Es gibt ihn als Schokoladen- oder Marzipanhasen, als Hasenkuchen oder als Helden zahlreicher Bilderbücher, und am Ostersonntag versteckt er die Ostereier im heimischen Garten oder in der guten Stube. Der Hase steht dabei als Frühlingssymbol, das Ei für Fruchtbarkeit und Neubeginn.
Ostern gilt bei den Christen als Sinnbild
für neues Leben, so wie ursprünglich
das Frühlingsfest bei den Germanen.
Kein Wunder also, dass dem Hasen in der
Symbolik eine Schlüsselrolle zukommt;
immerhin können Häsinnen jährlich
mehrmals bis zu acht Junge zur Welt bringen.
Eiersuchen und Osterbaum
Seit rund drei Jahrhunderten bringt der Osterhase die Eier und versteckt sie im Garten. Die Kinder müssen sie Ostersonntag suchen.
Schon vorher werden ausgeblasene Eier an Zweigen aufgehängt, um die Ostersaison einzuläuten.
Süßes Lamm in Deutschland
Das Osterlamm, das in Deutschland als Gebäck auf den Tisch kommt, geht auf das jüdische Ritual zurück, am Passahfest ein Lamm zu verspeisen. Das Christentum nahm die Symbolik des Opferlamms auf und setzte es gleich mit Jesus, der für alle Menschen am Kreuz gestorben war.
Nicht alle Menschen konnten sich früher ein Lamm leisten. Stattdessen wurde aus einem süßen Teig ein Lamm gebacken.
Osterwasser
Besonders zu Ostern und Pfingsten finden Taufgottesdienste statt. Das Wasser, mit dem getauft wird, ist durch das Kreuz in der Osternacht gesegnet worden. In vorchristlichen Zeiten glaubten die Menschen daran, dass ihnen ein Bad in einem fließenden Gewässer am Ostersonntag ihre Jugend und Schönheit erhalten würde. Es muss sehr früh am Ostermorgen aus einer Quelle oder einem Bach geschöpft und in vollkommenem Schweigen nach Hause getragen werden. Es hat dafür aber auch große Heilkraft.
Osterprozession und Osterreiten
In Südeuropa und Südamerika finden Umzüge der katholischen Gemeinden statt, die den Leidensweg Jesu Christi nacherzählen. Neben der Jesusfigur am Kreuz werden auch Heiligenfiguren auf den Schultern der Gläubigen durch die Städte und Dörfer getragen. Die Prozessionen enden dann mit Messen in den Kirchen. Besonders viele Osterbräuche gibt es in der Oberlausitz im Osten Deutschlands, wo die nationale Minderheit der Sorben leben. Höhepunkt ist in jedem Jahr das traditionelle Osterreiten zwischen Kamenz und Bautzen. Nach einer alten Tradition reiten katholische Männer in Frack und Zylinder auf geschmückten Pferden in neun Prozessionen in die Nachbarsorte und verkünden die christliche Botschaft von der Auferstehung Christi. Dabei wird mit dem Kreuz auf dem Pferd um die Äcker geritten. So soll die Saat gesegnet werden, damit im Herbst reichlich geerntet werden kann.
Der nasse Ostermontag
Die Polen mögen es feucht-fröhlich. Sie gehen mit Eimern und sogar Wasserpistolen aufeinander los und bespritzen sich gegenseitig mit Wasser. Der Brauch "Smingus-Dyngus" soll an die Taufe des Prinzen Mieszko I. im Jahre 966 erinnern, der den Polen das Christentum brachte.
Die Osterkerze und das Osterfeuer
In der Osternacht wird eine brennende Kerze in die dunkle Kirche getragen. Sie soll zeigen, dass Jesus Christus das Licht in die Welt gebracht hat.
Auch das Osterfeuer ist das Zeichen des Lichts. Es ist nur sehr viel größer als eine Kerze.
Das Feuer steht als Symbol für die Sonne, die das Leben auf der Erde ermöglicht. Mit den Osterfeuern wurde im Frühjahr die Sonne als Hüterin der Fruchtbarkeit und neuen Wachstums begrüßt. Im Weserbergland rollen die Menschen sogar brennende Räder ins Tal, in anderen Gegenden binden sie eine Strohpuppe ans brennende Kreuz, die Jesus Verräter Judas darstellen soll.
Mittlerweile werden fast überall in Deutschland an Ostern große Feuer entzündet, an denen sich viele Menschen versammeln, um sich das Feuerschauspiel anzusehen. Oben im Norden Deutschlands und in den skandinavischen Ländern sollen mit den Osterfeuern böse Geister und der Winter vertrieben werden.
Wortschatz Frühling